Pittoresk und anmutig liegt die weiße Villa in der kleinen Bucht am Ufer des Diemelsees. Passanten sind überrascht ob des unerwarteten Stilbruches, da diese Villa das Wohnwagenpanorama des benachbarten Campingplatzes so gar nicht abrunden will, zumindest nicht optisch. Aber gerade dieser Gegensatz macht den Ort so interessant. Bewohner dieser Villa: Fehlanzeige! Hier sieht man einfach keinen; die Fenster sind durchgehend geschlossen und selten brennt Licht. Auch Servicekräfte sieht man nicht. Vermutlich befinden sich dort König, Königin, der Pferdeknecht und die Magd in einem 100-jährigen Dornröschenschlaf, von dem nur der Gärtner nicht erfasst wurde. Es fehlt die dicht bewachsene Rosenhecke und der Pflegezustand des Objektes ist, soweit man das von außen beurteilen kann, erstklassig. Dies ist wahrscheinlich durch folgenden Umstand zu erklären:
Es gesellt sich ein zweites Märchen hinzu:
"... Da kamen bei Nacht,
Ehe man’s gedacht,
Die Männlein und schwärmten
Und klappten und lärmten
Und rupften
Und zupften
Und hüpften und trabten
Und putzten und schabten …
Und eh ein Faulpelz noch erwacht, …
War all sein Tagewerk … bereits gemacht!“
(Auszug aus August Kopisch: Gedichte. Berlin, Duncker und Humblot, 1836, S. 98, die erste Strophe; Volltext einsehbar bei Wikisource.)
Hinweis: Der Eigentümer soll hier selbstverständlich nicht als Faulpelz bezeichnet, sondern lediglich die märchenhafte Atmosphäre beschrieben werden :-).
Man geht vorbei, staunt und bewundert das Bauwerk. Schilderungen zufolge soll der Eigentümer die weiße Villa von seinem Vater übernommen haben und außerdem in einer nahezu baugleichen wohnen, welche jedoch um ein Vielfaches größer sei. Die weiße Villa wirke dagegen wie eine "Miniaturausgabe". Oder ist dies nur ein weiteres Märchen ?
Zwischenzeitlich soll jedoch auch der Eigentümer erneut gewechselt haben. Wie sich die Zukunft der weißen Villa gestalten wird, steht noch in den Sternen – jenen Sternen, die über dem Diemelsee besonders hell leuchten ✨